„Wohnbürgschaft“
http://www.mietrecht4u.de
Versicherung anstelle einer Kaution?
Für den Wohnungsmarktbereich wird eines neues Produkt vorgestellt: die „Wohnbürgschaft“. Was steckt dahinter? Die Deutsche Kautionsgemeinschaft AG, Deutsche Kautionskasse (DKK) bietet neuerdings eine Kautionsversicherung an. Gegen eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 50,– €, einen Versicherungsbeitrag von fünf Prozent der Kautionssumme jährlich, sowie 10,– € Kontoführungsgebühren soll ein Mieter die vertraglich vereinbarte Kaution gegenüber dem Vermieter nicht mehr erbringen müssen. Die Versicherung wird zugunsten des Vermieters abgeschlossen, der Versicherungsfall tritt ein, wenn ein Vermieter Forderungen aus dem Mietverhältnis gegen den Mieter realisieren will.
Wo sollen die Vorteile einer solchen Versicherung liegen?
Auf Vermieterseite wirbt die DKK damit, dass sie die Bonitätsprüfung der Mietinteressenten durch eine Anfrage bei Auskunfteien im Internet für den Vermieter übernehmen werde.
Gleichzeitig wird angedeutet, dass damit dem Vermieter vermehrter Schutz vor sogenannten Mietnomaden gewährt würde.
Der Vorteil des Mieters hingegen läge darin, dass er sein Geld nicht mehr als „totes“ Kapital zu Mindestzinsen auf einer Bank liegen habe. Außerdem müsse ein Mieter, der diese Versicherung abschließe, keine Angst davor haben, dass er die Kaution verliere, weil der Vermieter sie veruntreue.
So hört sich eine Milchmädchenrechnung an.
Bonitätsanfragen bei Auskunfteien können nur so gut sein, wie das Datenmaterial, das bei der Schufa und ähnlichen Institutionen gespeichert ist. Dazu gab es in den vergangenen Jahren herbe Kritik, darunter auch von Datenschützern. Der Wert solcher Auskünfte ist umstritten.
Einem sogenannten Mietnomaden, also einem Betrüger, der mit kriminellen Mitteln bei der Anmietung arbeitet, wird man damit ohnehin nicht beikommen können.
Die Sicherheit wird durch die Wohnbürgschaft nicht erhöht. Der geschädigte Vermieter bleibt also in seinem Schaden auf maximale Kautionshöhe, mithin drei Monatsmieten beschränkt.
Ein Vorteil der Versicherung gegenüber der herkömmlichen Kaution ist nicht ersichtlich.
Noch schlechter sieht der Vergleich bei den Mietern aus.
Statt auf sein Kautionsguthaben wenigstens ein bis zwei Prozent Zinsen zu erhalten, zahlt der Mieter an die Versicherung fünf Prozent Versicherungsprämie. Und das, so lange das Mietverhältnis besteht. Hinzu kommen die Bearbeitungsgebühr und die wiederkehrenden Kontoführungsgebühren.
Den Schutz vor einem kriminellen Vermieter kann ein Mieter ohne diese Versicherung erreichen. Die Anlage der Kaution als Sparbuch auf den Namen des Mieters, mit dem Vermerk „Kaution“ und einer Verpfändung des Sparbuchs an den Vermieter sichert beide Seiten, ohne dass Kosten anfallen.
Fazit: Eigentlicher Nutznießer beim Abschluss einer Wohnbürgschaft ist, wie so oft, der Versicherer.
3 Kommentare »
Kommentar verfassen
« Zurück |
naja, eine sehr interessante Betrachtungsweise….meiner Meinung dazu….
1. es gibt die Möglichkeit der Bargeld-Kaution und der bargeldlosen Kaution
=> wer sich Bargeldhinterlegung leisten will und kann, kann diese Möglichkeit wahrnehmen
=> wer sein Geld aber lieber selber kontrollieren möchte oder vielleicht beim Umzug eher knapp bei Kasse ist, nimmt sicherlich die bargeldlose Variante
gleiches prinzip ist doch die Kreditkarte: man kann entscheiden, ob man bar zahlen möchte oder doch lieber mit der Plastikkarte…und dafür zahlt man eben seine jährliche Gebühr….
2. wichtig für den Mieter ist doch der Liquiditätsvorteil…bei meinem Umzug vor 1 Jahr habe ich doch gemerkt, wie sehr so was in die finanziellen Ressourcen einschneidet…leider gab es da die Kautionskasse noch nicht, sonst hätte ich sie auf jeden fall genutzt….
3. wichtig für den Vermieter ist doch, dass er seine Sicherheit hat, wenn er die Kaution ziehen will, dass es auch klappt….
Also, man kann alles total negativ sehen, aber vielleicht nimmt man sich auch mal die Zeit darüber nachzudenken, dass es heutzutage sinnvolle Alternativen gibt…klar kostet das was, aber die jährliche Kreditkartengebühr gibt es ja auch…und natürlich bekommt man keine Zinsen, denn man hat ja auch nie was hinterlegt…lieber zahle ich 5€ im Monat für meine 1200€ Kaution als die komplette Summe auf den Tisch legen zu müssen…ich zumindest!
Fazit: endlich mal ein Produkt, dass uns kleine Mieter nutzt und nicht alles tot reden, sondern positiv sehen
Ich möchte mich dem vorherigen Posting anschließen und mich ebenfalls zu dieser Sache äußern.
Für mich als Vermieter bietet diese neuartige Form der Kaution auf jeden Fall Vorteile. Ich habe erst vor wenigen Wochen eine solche Wohnbürgschaft erhalten und die Sache ist einfach und unkompliziert. Es ist kein Bargeld im Umlauf und somit kann ich mir Kontoeröffnung und Zinsabrechnung etc. in diesem Fall getrost sparen.
Ob es nun ein effektiver Schutz gegen Mietnomaden ist oder nicht und ob die Daten der Schufa diskussionsbedüftig sind mag ich auch nicht weiter kommentieren, Fakt ist aber, das ich mich auch ohne Wohnbürgschaft auf die Schufaauskunft verlasse und diese in jedem Fall verlange.
Ich finde es klasse dass es etwas neues gibt und denke jeder sollte für sich entscheiden was für ihn das Beste ist.
Der Eine hat das Geld, der andere hat es eben nicht.
Mein Tipp 1fach Erfahrung sammeln und sich dann eine Meinung bilden. Es gibt ja inzwischen mehrere Anbieter am Markt, also kann es ja gar nicht so schlecht sein
Hallo Vermieter01,
auch ich habe Anfanf Juni einen Mieter gehabt, welcher mir eine sogenannte Wohnbürgschaft der Deutschen Kautionskasse als Sicherheit übergeben wollte. Um ehrlich zu sein wusste ich auch nicht dass eine solche Alternative überhaupt existiert und war entsprechend skeptisch. Nach Anfrage bei der Deutschen Kautionskasse (sehr höflicher und hilfsbereiter Service)wurde mir das Konzept erklärt und ich erhielt Infomaterial zu dem neuen Produkt. Ehrlich gesagt war ich damit nicht überzeugt und habe meinen Mieter gebeten die Kaution in Bar zu stellen.
Gestern habe ich erneut die “Wohnbürgschaft” von einem potentiellen Mieter vorgelegt bekommen – ich habe Sie dieses Mal akzeptiert. Ich verstehe wenn der Autor des Artikels die Vorteile der neuen Kautionsform als “Milchmädchenrechnung” bezeichnet – muss aber aufgrund meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass man sich erstens dem Markt stellen muss – und wenn dieser auch neu sein mag, und zweitens hat mich die abwicklung mittlerweile überzeugt. Ich habe noch nie so schnell und einfach eine Kaution erhalten und muss dazu überhaupt keinen Verwaltungsaufwand betreiben (abgesehen von dem abheften eines DIN A4 Dokuments in einem Ordner). Mein Fazit ist ebenfalls: Probieren geht über studieren – dem Fortschritt kann man sich nicht verwehren.